18. Februar 2018 – Leitzinsen

Liebe Börsianer,

die Aktienkurse werden seit Jahren nicht nur durch die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst, sondern auch durch die vorhandene Liquidität an den globalen Finanzmärkten.

Die Zentralbanken in Europa, den USA und in Asien versuchen nun bereits seit recht langer Zeit, die Wirtschaft durch eine sehr expansive Geldpolitik zu stimulieren. Dies geschieht unmittelbar durch die Zinssätze, zu den sich die Banken bei ihren Zentralbanken refinanzieren können. Das sind die bekannten Leitzinsen. Die Hoffnung der Notenbanken ist dabei, dass Banken diese günstigen Zinsen im Rahmen von Kreditfinanzierungen an Unternehmen weitergeben und auf diese Weise Investitionen fördern. Von diesen günstigen Zinsen profitieren natürlich auch die globalen Finanzmärkte, da man über eine günstige Refinanzierung weiter in Aktien investieren kann. Ausserdem bieten die Anleihemärkte bisher noch keine wirkliche Anlagealternative.

Aber ein sehr unangenehmer Nebeneffekt entsteht dadurch, dass sich niedrige Leitzinsen nicht nur auf die Sollzinsen auswirken, sondern gleichzeitig leider auch auf die Habenzinsen. Das macht sich eben sowohl durch die noch extrem günstigen Baufinanzierungen als auch die kaum vorhandenen Sparzinsen bemerkbar.

Die Zentralbanken orientieren sich bei ihrer Zinspolitik primär an den Inflationsraten. Dies sind im Kern die Preissteigerungen von Verbraucherpreisen im Verhältnis zum Vorjahr. Steigt also die Inflation an, dann heben auch die Zentralbanken ihre Leitzinsen. Damit erhöhen sich sofort die Kreditkosten für Unternehmensinvestitionen, die Kreditkosten für Aktienanlagen und etwas verzögert natürlich auch die Habenzinsen. Höhere Kreditkosten können aber die wirtschaftliche Entwicklung bremsen. Gleichzeitig erhöht sich die Rentabilität von festverzinslichen Anleihen als eine Alternative zur Aktienanlage.

Die Federal Reserve als US-amerikanische Zentralbank hat am 13.12.2017 den Leitzins leicht erhöht auf einen Korridor von 1,25-1,50 %. Die Inflation liegt dort mit 2,1 % bereits über dem Zielwert von 2,0 %, was noch auf mehrere leichte Zinssteigerungen in diesem Jahr schliessen lässt.

Die Europäische Zentralbank hatte den Leitzins am 16.03.2016 auf 0,00 % gesenkt. Und da die Inflation in der Eurozone mit 1,3 % weiter deutlich unter dem Zielwert von 2,0 % liegt, sind in den nächsten Monaten sicherlich noch keine Zinserhöhungen zu erwarten. Zunächst wird die Zentralbank ihre noch erheblichen Anleihekäufe auslaufen lassen (das sogenannte Quantitative Easing). Die Deutsche Bundesbank verfolgt im Rahmen ihrer Aufgaben keine eigenständige Zinspolitik für Deutschland.

 LeitzinsenInflationWirtschaftswachstum
Deutschland:0,00 %1,6 %2,3 %
Eurozone:0,00 %1,3 %2,7 %
USA:1,25-1,50 %2,1 %2,5 %

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